Radcore

Der Wiener Kreisel

Samstag 16.7.2011, 7 Etappe PeakBreak St.Michael i. Lungau bis Millstatt

Was das Radfahren betrifft, verordnet sich RadCore Genussradeln am letzten Tag. Damit wird aus der reichhaltigen RadCore Palette eine geeignete Taktik für die Schlussetappe ausgewählt. Eigentlich wäre diese Variante ja für die Einfahrt nach Paris gedacht, nur fahren wir da halt noch nicht hin. Einige Fragen sind je nach Situation mit Gefühl und Takt zu beantworten, etwa: Wann nimmt man auf Schlussetappen den Champagner? In jedem Fall ist vorgeschrieben dass die Labenaufenthalte MINDESTENS 30 Minuten dauern müssen, es werden Massagen schon unterwegs dringend angeraten.

Die Realität sieht wie so oft anders aus. Gleich in der Früh geht es hinein in den K(G)atschberg, der ist feucht wie immer, auch ohne Regen. Der Kampf dort geht nicht nur gegen die Steigung sondern auch gegen das Frühstück, das teils noch im Hals steckt, teils sich wieder dorthin auf den Weg gemacht hat. Eigentlich nicht abwegig, wenn der ganze Mensch so auf die Berge raufzischt, da will doch auch mal ein Frühstück die Welt mit eigenen Augen sehen.

Wie eine Prozession demütiger Pilger, in tiefer Andacht und Kontemplation bewegt sich der Troß auf den Katschberg. Die Gedanken kreisen um den nächsten Tritt. Werde ich ihn noch runterbringen, oder kipp ich einfach zur Seite weg, weil das Pedal einfach zuviel Widerstand aufbringt? Und ähnlich wie eine Woche Schweigen in intensiven Exerzitien wirkt auch dieser Pass. Läuternd und reinigend. Alle negativen Gedanken sind wie weggeblasen. Allerdings auch die konstruktiven. Das Hirn ist wie neugeboren. Was steht hier? Bergrestaurant? Interessant. Berg. Was war das nochmal? Restaurant? Da war doch was, das hatte mit dem Loch zu tun, durch das wir keuchen. Luft. Genau. Es ist nicht nur die Luft. Wir haben da auch Gel reingetan. Und so ein anderes Material doch auch irgendwann? Essen. Ah ja. Restaurants, essen. Berg. Restaurants auch ohne Berg, … . Und so weiter. Man erschafft die Welt von ganz unten neu.

Auf der anderen Seite geht es natürlich wieder hinunter. Das funktioniert erstaunlich gut. Man kann diese Hebel, Bremsen, bedienen, dann donnert man nicht in die entgegenkommenden Harleys. Wunderbare Welt der Schwerkraft. Nach einigen flachen Kilometern beginnt der Anstieg auf die Nockberge. Angekündigt ist ein Nationalpark. Wir sickern über die Außenzone ein. Und wirklich, eine überaus versöhnliche Strecke. Höhepunkt ist unter anderem ein Schwein, das sich dort gern unter dem Pferdekoppelzaun durchzwängt und seinem einem Bruder Pferd dort auf einer herrlich grünen Wiese Gesellschaft leistet. In den höheren Lagen dann kommt man in eine Almregion, und in die Kernzone mit Orchideen und Murmeltieren. Hier würde man wirklich gern bleiben.

Am ersten Nockberg dann eine übersinnliche Wahnehmung: Da sind auf einmal doppelt so viele RadCoristi wie es eigentlich auf der PeakBreak gibt?? Was geschieht mit mir? Ist es jetzt soweit? Na mal abwarten und ignorieren, vielleicht seh ich doppelt. Doch die Gestalten beharren auf ihrer Existenz und grüßen und klopfen einen so lange auf die Schulter bis man irgendwie doch akzeptiert dass es echte Menschen mit eigener Gedankenwelt und Ideen sind. Es stellt sich heraus: Hugo, Robert und Alex sind aus dem Tal aufgestiegen um uns die letzten Kilometer ins Ziel zu begleiten. Total nett! Die sind viel frischer als wir. Trotzdem fahren sie uns höflich nicht total um die Ohren.

Also alle zusammen auf den letzten Berg! Und fröhlich forsch geht der auch. Oben dann, die letzte Labe! Ein Traum wird wahr, es gibt Wurschtsemmeln! Manche sagen “belegte Brötchen”, klare Fehleinschätzung. Die gehen sehr gut weg. Alle RadCoristi bis auf Christian, der heldenhaft noch ein echtes Rennen fährt, sind beisammen und machen sich auf die Abfahrt. Romed hat noch Volker gesehen, und es besteht die entfernte Möglichkleit, den gemeinsam einzuholen. Es sind auch viele andere da, im Lauf der Abfahrt formiert sich ein Riesentroß. Großer Spaß, chaotische Versuche Windschatten zu fahren.

Beim einzigen Kreisverkehr der nicht perfekt markiert ist, drehen wir eine Ehrenrunde, doch Ortskundige lassen keinen Zweifel offen: RECHTS!! Volker muss einige Minuten vorher hier gewesen sein, er findet auch keine Markierung, nimmt an dass Tom wieder Feinheiten ausgetüftelt hat, und biegt offenbar nach links. Eine 40km Irrfahrt beginnt, und er trifft erst kurz nachdem der Zielbogen abgebaut ist ein.

Die Gruppe, gemeinsam glücklicher am rechten Weg, zieht übder den letzten Hügel, an den Millstättersee. Jeder zieht mal an, und am See dann formiert sich das Feld hinter dem RadCore 4-er Team. Wolfgang und Romed ziehen den Troß in strammem Tempo die letzten Kilometer, dann kommen auch die anderen nach vorn und geben bei der Zieleinfahrt ein herrliches Bild ab. Allgemeine Erleichterung folgt. Alle gesund im Ziel.

Lange vorher hat Christian schon einen großen Zieleinlauf geliefert. Er versucht an den Pascullis dranzubleiben, geht nicht. Also dann die nachfolgende Gruppe. Die ist eigentlich zu langsam für unseren aufstrebenden Jungstar. Was soll man tun. Allein gegen eine Gruppe aufzuholen geht auch nicht, als nimmt er eben diese. Wir erkennen, die Solofahrt von gestern hat auch bei ihm wieder wichtige Erfahrungen gebracht. Schließlich kommt seine Gruppe nach Seeboden ans Ziel. Den Schlusssprint um den 29 Tagesrang gewinnt Christan. Wir werden noch Videostudien machen, auch das ein Schokokeks für kalte Winterabende.

Auch im Ziel sorgen die drei zusätzlichen Radcoristi für Verwirrung: Sie fahren natürlich neben dem Ziel vorbei. Der Ansager ist unschlüssig. Wollen die nicht mehr? Warum die jetzt querulieren? Ja, RadCore geht nicht den einfachen Weg. Im Nachhinein erkennen wir das Potential dieser Idee: Gefälschte Fahrer einschleusen, eventuell die Disziplin des Synchronradfahrens neu beleben. Keinesfalls darf man die Aufmerksamkeit des Feldes unterschätzen, als die 3 “Neulinge” ihre Räder aus dem Auto holen werden sie natürlich beobachtet, und bei der Massage kommen dann Fragen wie: “Seid Ihr den letzten Berg denn mit dem Auto gefahren??”

Im Ziel dann Siegerehrung: RadCore steht mit fast allen TeilnehmerInnen am Podest. Horst und Christan gehen als dritte der “unter 80″ 2-er Teamwertung auf die Bühne. Horst denkt zum Glück noch an die offizielle Jacke, streift die von Stefan über weil er keine eigene hat. Christian macht ihn auf seinen Toilettefehler aufmerksam, er zippt die Jacke zu, und die Medaillie ist weg! RadCore winkt heftig, ein Hinweis von Christian bringt dann wieder Ordnung ins Bild. Maya wird glorreiche zweite der Damenwertung. Sie wehrt sich gegen die Nennung des Rückstandes, obwohl es ja eh nur 11,5 Stunden sind! Fast 50 Stunden am Rad werden besonders gelobt. Als das Vierer Team die Bühne am herrlichen Millstätterseeufer erklimmt, regnet es schon leicht.

Wir geben an dieser Stelle nicht bekannt, wieviele KonkurrentInnen in den jeweiligen Kategorien im Rennen waren! Dazu möge die Geschichte schweigen. Aus diesem Grund sei auch Gerhard hier erwähnt, der schnellste RadCorist, der aber als einziger keinen dekorierten Platz macht. RadCore wird seiner besonderen Leistung noch entsprechende Würdigung verleihen.

Dann ist noch die lange erwartete Pasculli – Fahrradverlosung, ein maßgefertigtes Carbonrad steht als Preis an. Marvin zieht, es geht knapp an der 77 von Gerald vorbei auf die 88. Der Regen verdichtet sich, und es endet eher hastig die Abschlussfeier der PeakBreak 2011. Manche der TeilnehmerInnen atmen dankbar auf, vor allem die denen der Fahrt im Zentrum steht, und die an Rängen eher wenig interessiert sind. In jedem Fall ist es schon lustig die Mit – HeldInnen geehrt zu sehen.

Schließlich folgen noch der große Umtrunk dann drinnen im Restaurant. Gerald ist schon wieder hungrig und nimmt sich noch ein drittes Abendessen. Unvermeidbar beginnt im gegenseitigen Schulterklopfen schon die Entfernung von den Erlebnissen, und was vor kurzem noch eine gnadenlose Schinderei war, verklärt sich zu einem herrlichen Bergerlebnis ohne große Schwierigkeiten. Volker bietet fürs nächste Jahr noch eine Revanche am Kitzbühler Horn an. Es ist abzusehen, dass es das eine oder andere Wiedersehen am Wiener Radmarathon im September geben wird. Von den PeakBreakern haben sich viele interessiert gezeigt. Auch von ferne werden einige anreisen.

Über diesen Reminiszenzen und Plänen schreitet der Abend voran. Als das offizielle Feiern endet, stößt RadCore noch zur PeakBreak Mannschaftsfeier, auch hier allgemeines Schulterklopfen und Umtrunke auf Erfolge und Erlebnisse. Mit aller Kraft geht das weiter bis in die Morgenstunden. Feiern als ob es kein Morgen gäbe.

Also, das wäre es von der PeakBreak 2011. Danke an alle die dazu beigetragen haben, als Veranstalter und auch vor allem all den anderen MitstreiterInnen, die sich mit uns über die Berge gearbeitet haben.

Es waren fast doppelt soviel Höhenmeter wie die Österreich Radrundfahrt, und die Kilometer sind auch vergleichbar. Wer das schafft, hat schon einiges erlebt. An alle: Weiter so! Also, auf zu neuen Ufern, und in weitere Unternehmen. Bis dann!

15.7.2011, Going über Dientner Sattel und Obertauern nach St. Michael im Lungau

Nach sechs Etappen erkennen wir einander schon am Seufzen. Es gibt viele Gründe zu stöhnen, wenn der Schmerz kommt, oder zu seufzen, wenn er wieder nachlässt. Der “Sattel-Stöhn” kommt, wenn das geschundene Gesäß wieder auf den Radsattel gezwungen wird, und die Erkenntnis kommt, dass das jetzt noch den ganzen Tag anhalten wird. Der “Couch Potato” ertönt mittlerweile bei allen, wenn sie sich irgenwo hinsetzen. Man weiss ja nie ob man wieder hochkommt. Der “Anstiegs-Winsler” zeigt zuverlässig 16% an die länger als 10 Meter sind. Auf dieser Etappe hört man einige davon. Der “Bandscheiben Aaahhh” ertönt, wenn die Tasche aufgestemmt und nach getaner Tour ins Zimmer geschleppt wird. Besonders eindringlich der “Verriss Zischer” wenn dabei seitlich etwas überdreht wird.

Wobei ja auch das Rad viele Arten des Stöhnens kennt: Satteldecken-Khatarr, Pedal-Luxation, Schnellspanner-Rheuma, Lenker-Vorfall. So mischen sich die vertrauten menschlichen und unmenschlichen Töne zu einem bekannten Stück, in der Tradition der Zwölfton Chromatik.

Nach der Startfreigabe kommt gleich die vorabends heiss diskutierte und in allen Details geplante RadCore Attacke. Wie auch im Vorjahr gelingt ein zügiger Sprung weg, von Maya zackig eingeleitet, Stefan verlängert, Romed gewinnt Land, und dann fährt Gerald heldenhaft das offene Loch zu. Woge übernimmt engagiert, sieht plötzlich vor sich in die Leere (und zwar sowohl im Sinne der unbelebten Landstraße, als auch geistig, das nennt man führen), kann aber trotzdem die geplante Endgeschwindligkeit von gefühlten 50 nur Sekunden halten. Nach immerhin EINEM vollständig ausgeführten Kreisel mit Christian geschieht das unglaubliche: Geplant war die 2 Champs Christian und Bernhard an die Spitze zu bringen. Irgendwie gelingt das tatsächlich, vor allem weil die beiden HELDENHAFTE!! Eigeninitiative zeigen, und einfach knochentrocken losziehen, als Rest – RadCore am oberen Ende der Skala anschlägt. Christian zuerst, Bernhard folgt ihm nach. Die beiden schaffen es über den ersten Sattel, führen gemeinsam bis km 25. Da setzt sich Bernhard in einer soloflucht ab bis km 45, wo er von 12000€ eingeholt wird (Storck Fascenario 07 mit Lightweight (Ihr erinnert Euch)). Die beiden fahren noch durch Saalfelden, bleiben im Verkehr hängen. Da ist bei Bernhard “Flasche leer” und er wird zum ersten Verfolger.

Christian wird bei km 45 von der Favoritengruppe mit dem gelben Trikot eingeholt. Er fährt mit dieser Gruppe, wo die echten Helden sind, bis zur ersten Labe am Fuß zum Dientner Sattel. Dort beschließt er dass es des Heldentums genug sei und fährt mit einem Altersgenossen weiter bis km 100 um dort endgültig einzugehen. Am letzten Loch rettet er sich ins Ziel, entsteigt dem Sattel und küsst den Boden. Das klingt jetzt sehr blumig.

Klar dass die beiden etwas schlapp sind danach. SENSATIONELL!! Legendär! Tiefe Hochachtung aus der RadCore Mannschaft, deren Unterstützung kaum länger gewährt hat als ein geübter Mittelschüler die Luft anhalten kann.

Gerald, Maya und Stefan suchen danach in den staubigen Winkeln der Trikot Taschen die verbleibenden Rest-Körner zusammen, und machen sich auf den Weg durch den Regen über den Berg. An der letzten Labe verlängert Gerald geschickt den Aufenthalt, indem er einen Glassplitter in sein Hinterrad schummelt. Er leugnet natürlich, egal, in jedem Fall darf Werner nun auch sein Schlauch und Pumpen Service zur Anwendung bringen.

Mitten im Obertauern holt uns Britta ein. Wir haben sie vorher mit gebrochenem Schaltauge bekümmert am Strassenrand sitzen gesehen. Die Pasculli Mannschaft versorgt sie mit einem Ersatzrad. Übersetzung: Popschbacken zusammenkneifen: 39/25!! Für den knackigen Schlussanstieg mit 13% Passagen eine spannende Sache. Unverzagt kämpft sie sich hoch und kommt kurz vor dem Pass noch beachtlich rasch zu uns dazu.

Romed straft Volker für fortgesetzt unsportliches Verhalten an Laben mit seinem unnachahmlichen Rampentritt am Obertauern ab. Wolfgang dient sich den beiden 2. und 3.plazierten Damen als Lokomotive an, darüber freut sich vor allem Thorsten, der diesen Job mit Großer Gelassenheit den ganzen Tag für Judit erledigt. Am Dientner Sattel findet er Pasculli-Arni und Christian schon eher verzweifelt an einem Schlauchreifen herumdoktern und hält als guter Mensch, um in den nächsten 10 Minuten mit einer Kartusche die entscheidende Unterstützung zu leisten. Zu dritt geht es in einen Parforceritt Richtung Bischofshofen, was den ja schon heldenhaft aufgetretenen Christian endgültig die entscheidenden Körner kostet. So kann Wolfgang das übliche Duell mit Henri, Drk und seinen Dänen fortsetzen. 1:0 gegen Dänemark, 1:1 gegen Deutschland (wie immer im Duell mit dem großen Nachbarn gilt das als Sieg)

Auch für Gerald Maya und Stefan beginnt eine Rückenwind-Bergab Raserei, nur der Regen bringt ein wenig Stimmung hinein. Ins Ziel holen sie noch ihre Dänen ein, und Gerald sprintet sogar erfolgreich. Die anderen nudeln etwas verklemmt in die Ortseinfahrt zum Ziel hinauf, es war eine sehr beachtliche Etappe heute.

Abends ein einmaliges Essen, danke an St. Michael!

Von Going aufs Kitzbühler Horn, 14.7.2011
Hätte ich mir doch die Regenhose bestellt und mitgenommen. Denn eine Regenhose macht glücklich, wenn es regnet. Gerald denkt sich das immer wenn es regnet beim Radfahren, weil dann kann er nicht so schön Radfahren und unterwegs auch nicht bestellen oder kaufen, und nie wenn es nicht regnet, weil dann ist er Radfahren. Also war es ihm bisher unmöglich, sich eine Regenhose zu besorgen. Darüber ist er heute nicht glücklich. Romed und Stefan streifen die kurzen Regenhosen über, wohlige Wärme breitet sich auf die Nieren und weitere wichtige, nahe gelegene Körperteile, und sie spüren den strahlenden Frieden in sich. So fühlt sich ein Fels, Jahrmillionen alt, aus Lava erstarrt, aufgefaltet, der letzte Überlebende in einer vergänglichen Umgebung nach Jahrtausenden der Erosion durch Wind, Wasser und Sonne. Seiner eigenen Werte voll bewusst.

Es beginnt die Diskussion über die Jackenfrage. Romed zieht aus der Auswahl der dünnen Jacken die dickere an. Der Gerald zieht aus der Auswahl der dicken Jacken eine auf der eher dünneren Seite an. Wir beziehen uns hier auf den Katalog eines Herstellers von Referenz- Rennrad – Bekleidung, in dem für verschiedene Temperaturbereiche die jeweils geeignete Bekleidung angeboten wird.

Früher war es ja so, dass Mutter in der Früh sagte: “Es ist kalt, setz Dir die Mütze auf.” Steinzeit. “Kalt” existiert nicht mehr. Die Skala von “mannomann, es ist so kalt, dass die Eisbären sich freiwillig und im Waffenstillstand mit den Seehunden in die Fallen begeben haben, weil da wenigstens Windschutz ist”, bis “mannomann es ist so heiss dass ich bis zum Knie in den Asphalt einsinke” hat sich in diesem Katalog auf eine Auflösung von ca. 1,8 Grad aufgesplittert, das heisst wenn die Temperatur zB um mehr als 2 Grad steigt, muss man das ganze Gewand (Hose, Leiberl, Handschuhe, Helmmütze, Überhose, Jacken, Ärmlinge, Beinlinge, und weitere Dinge, die kein Mensch je gesehen noch verstanden hat), also das ganze Gewand ausziehen, und ein ganz anderes besseres anziehen.

Nachdem also die sehr diffizile Gewandfrage geklärt ist, kann es an den Start gehen. Christian versucht sich an seinem unmittelbaren Konkurrenten, Pasculli-Fahrer Arni, schließt zu ihm auf, hält ihn lang unter Kontrolle, und setzt sich dann erfolgreich ab. Seine Zeit von etwa 46 Minuten ist ein neuer RadCore Rekord und kann auch anderswo sehr wohl gelten. Er lässt auch Gerhard den bisher unangefochtenen RadCore Spitzenfahrer, hinter sich. Ein weiteres Indiz für Christians stark steigende Form. Gerhard ist ja auch nicht irgendwer. RadCore klopft sich für die gemeinsame Nachwuchsarbeit auf die Schultern. Die in langen Jahren mühsam und Schritt für Schritt aus Elementen der Sport- und Ernährungswissenschaft, des Chi Ging, in modernsten Forschungslabors, heissen Wüstengegenden, eisigen Bergesgipfeln, ölverschmierten Werkstätten, und vor allem an verrauchten Biertischen optimierte systemische Rennrad – Aufbaumethodik zeigt an diesem Beispiel deutlich ihre Stärken.

Wolfgang versucht sich ebenfalls am Pasculli-Fahrer Mike, rutscht jedoch auf den sehr geschickt angebrachten Bodenbeschriftungen aus, die uns darauf hinweisen dass wir in Kitzbühel sind, und stürzt. Fortsetzung einer Serie? (Nach Lienz war es der sich lockernde High – Tech Schnellspanner, dann am allerletzten Stich vor Going im Kampf mit Dan dem Dänen (ernst!! Nicht ernst wie Ernst, sondern jetzt echt im Ernst) ist ihm die Kette vom Blatt abgefallen). Trotzdem kann auch er seine Horn Zeit letztlich deutlich verbessern (51) und sogar – in aller Freundschaft – Gerhard an der letzten Kehre düpieren.

Gerald wäre gerne mit Andrea mitgehalten, die zieht jedoch am Weg zum Podestplatz bei den Damen unhaltbar an ihm vorbei. Romed verfolgt das Damenduell aus nächster Nähe und müht sich damit, neutral zu bleiben (mehr dazu an dieser Stelle nicht) Horst hat heute einen dunkelgrauen Tag und bleibt hinter Gerald.

Titanenhaft der Kampf von Volker gegen Stefan. Stefan kann zunächst knapp hinter ihm bleiben, bis etwa zur Mitte, dann rutscht auch er auf der nassen Bodenbeschriftung aus, uns muss erst wieder in die Clips finden. Das dauert bei Puls 150 etwas und Volker kommt weiter weg. Stefan klammert sich noch an Volkers gelbe Regenjacke, die langsam aber sicher entschwindet. Dann geht es in die letzten zwei Kilometer. Da kommt die ärgste Steigung, und im Vorjahr konnte er genau an dieser Stelle die letzten Reserven mobilisieren, und Volker in einer sehr ähnlichen Situation noch einholen. Dieses Jahr ist das Fleisch zwar willig, jedoch der Geist zu schwach. Gratulation an Volker!

Bei der Rückfahr im Regen machen sich Wolfgang (an Wolfgang W.) bzw. Horst (an Walter L.) an die Topleute heran, um irgendwelche dienlichen Hinweise zu erhaschen. Beide Duos verfahren sich dabei nachhaltig, so kommen sie auch an diesem Tag auf (nasse) 50km.

Der Rest ist Wellness.

Video Kitzbühler Horn

13 Juli 2011, Lienz, Glockner, Going
Beim näheren Nachdenken über die Entwicklungen am Kronplatz (Siehe blog der zweiten Etappe) blieb der “Charakter einer Schotterstraße” irgendwie hängen, und die Forschergruppe, die diesen zu bewahren hatte. Was ist der “Charakter” einer Straße? Kann man jeder Straße einen zuordnen? Kann eine Straße alleine einen “Charakter” haben, oder braucht es auch die Umgebung dazu. In jedem Fall gibt es wohl viele messbare Charakteristika. Wie war der Auftrag der Forscher? Den Charakter zu bewahren wie er 2006 war, oder den wieder herzustellen den Fausto Coppi Jahrzehnte vorher geniessen durfte?

Der Kronplatz beispielsweise ist sicher eine Art von Majestät. Das sagenhafte Volk der Ladiner soll dort oben seine Könige gekrönt haben. Als Frischgekrönter hatte man da sicher Freude beim freien Blick in alle Richtungen auf das Reich. Die Aussicht mit Dolomiten im Süden bis Tauern im Norden ist enorm. Von Bruneck aus fühlt man als Untertan stets den gestrengen Blick von dort oben auf sich.

Der Großglockner mit seiner Hochalpenstraße dagegen ist eine straffer organisierte Eminenz, und die Straße da rauf ist tip top in Schuss. Es gibt ebenfalls sehr lang zurückgehende Wurzeln, Römerstraßen, und Ötzi ist da sicher auch mal rübergekommen. seitdam ist aber viel passiert, und das ganze Gelände ist bestens genutzt. Der Glockner ist sicher immer noch eine faltig gegerbte Lederhaut, wie schon immer, aber dahinter werkt eine vielköpfige Crew an den Touristenmass
en.

Der Sölkpass, über den die PeakBreak in den Vorjehren ging, ist wesentlich zurückhaltender. Auch dort Römerstraße und Kelten, aber oben ist nichtmal ein Bier zu bekommen. Vor allem nicht für Radrennfahrer. Zusammen mit dem Glockner und dem Kronplatz sind das sicher die eher royalen Bergstraßen. Anders als etwa der Iselsberg, auf den man selten rauffährt, um auf den Iselsberg zu kommen. Da fährt man eher drüber wenn man eben zum Glockner oder nach Lienz will. Entsprechend geschäftiger die Abläufe dort.

Wir erkennen, man kann schon sowas wie Charakter spüren wenn man will. Je nachdem wer da rauffährt, wird er andere Facetten kennenlernen. Wir vermuten dass die Spitzen der PeakBreak sich eher nicht in solche Betrachtungen verlieren. Da hinten wo wir rollen kommt shon eher etwas aus der Umgebung an. So können wir über eigene Charakterschwächen und Charakterstärken der Strasse und deren Wechselwirkungen schon gepflegt ins Nachdenken kommen.

Auf der Etappe über den Iselsberg und den Glockner reiten Maya und Stefan ab Heiligenblut in einer losen Gruppe mit Dieter und Thilo auf den Glockner. Dieter zieht langsam aber sicher davon, die anderen erreichen Hochtor und Fuschertörl zusammen. Dieses Jahr war sogar Rückenwind in vielen Stellen, und in einigen Steilstücken hilft das enorm. Bei herrlichem Wetter sehen wir auch einen Teil vom Gipfel aus den Wolken rausschauen. Zu dritt wie der Wind ins Tal, wir überholen die Dänen kurz vor der Ebene. Das wäre ja perfekt mit diesen Profis der weiten Ebenen den Windschatten zu teilen. Wir warten, doch da kommt nichts. Also weiter. Bei der Labe dann labt schon Detlef, und die Dänen kommen auf einmal auch irgendwoher. Also rasch in die Pedale, und zusammen Richtung Paß Thurn. Der Dänische Antritt in der Ebene ist tatsächlich unwiderstehlich. Die steigen rein, kaum fassbar. Wimmernd flehen wir um Nachlass, er wird gewährt, daher kommt die sechser Gruppe geschlossen in den Pass. Oben sammelt man sich wieder, die Dänen sind schon weg, und der Rest macht sich an die Verfolgung. Es gelingt, und mit aller Kraft ziehen wir bergab Richtung Going. Der letzte Stich in den Wald noch, und wieder ein Sprint ins Ziel. geschafft. Auch Wolfgang findet auf dieser Etappe (wie alle) “seine” Dänen in der Gestalt von Dan und Jan (sic!)die ihn am letzten Ansteig gnadenlos austricksen (dass im entscheidenden Moment die Kette vom Blatt fällt, reiht sich in die kleinen Mißgeschicke der letzetn Tage nahtlos ein). Das Ländermatch wirs dich fortsetzen…

Alle von Radcore schließlich da. Also gute Nacht!

Dienstag, 12.7.2011, Peakbreak 3. Etappe, Bruneck Stallersattel Lienz
Ein neuer Tag bricht an, und wieder ist das starterfeldd voll. Alle wirken etwas erstaunt: “Was, Du bist auch noch da, Du hast ja gestern ECHT FERTIG ausgeschaut!! Ich hab echt gedacht Du bist mit dem Besenwagen raufgefahren! Dass Du wieder hier am Rad sitzen kannst ist ja ein Wunder! Was nimmst denn Du? Kannst Du mir BITTE die Telefonnummer von Deinem Mentaltrainer geben? Bist Du sicher das Du keine bleibenden Schäden davontragen wirst?”
Ja, alle sind sie wieder da! Die Tragödien der Berge haben nie stattgefunden.

Brittas leicht getrübtes Schaltauge weint immer noch den glorreichen Tagen nach, als es die Schaltung echt perfekt auf Linie halten konnte. Henri bleibt zwar heute ein paar mal öfter stehen, um seinen Rücken zu massieren, aber ein Kasten kriegt einen Kasten eben nicht leicht weich. Undi wieder ziehen die das große Los, die grad dann am Hinterrad hängen wenn er die Streckübungen macht, weil der Sog dann auch bergauf beschleunigt.

Volker der längstdiendende PeakBreaker lässt auch diese Gelegenheit nicht aus. Dieses Jahr hat er eine Bombenform. Wir wissen, es kiegt daran dass Stefan ihn letztes Jahr am Horn paniert hat und diese Scharte will er dieses Jahr auswetzen. Wir warten gespannt.

Immer noch vermissen wir Uwe vor allem wieder in den letzten Kehren am Stallerattel. Keiner konnte den Ruf “JAAAAA! Jetz gspia is aaahhh!” (“JAAAHHH! Jetzt spüre ich es auch!!” ) so gut wie er, und die Anlernlinge kommen da noch lang nicht mit. RadCore bereitet dazu einen Abendkurs und einen Fernlehrgang vor.

Was ist das Wesen der PeakBreak?

Das mit der Peakbreak ist wie mit dem Wind beim Radfahren, so ähnlich wie mit dem Tom beim Routenplanen, und also so wie der Typ in der Sauna beim Aufguß. Alle sitzen trotz der irren Hitze zitternd auf ihren Handtüchern und bangen der 100 Grad Hitze entgegen. Wenn die dann ansteht, und alle schon jenseits des Kollaps dirilieren, fragt ein schrankbreiter offenbar langjährig als Hammerschmied geformter Körper so nebenbei: “Soll ich aufgießen?” und alle nicken begeistert – resigniert, weil eh klar ist, dass jeder der sich jetzt meldet irgendwann Bekanntschaft mit dem einen oder anderen Werkzeug machen wird. Also fließt das Wasser, die Steine stöhnen erleichtert auf, alle anderen wimmern leise in sich hinein, während sie nach aussen hin begeistert anfeuern. Der erste der jetzt geht, wird im Club nie mehr auch nur einen Squashcourt reservieren wollen. “Wollt Ihr noch einen Schöpfer?” “Jaaaaa!!! Klaaaaar!!!” und er schöpft. Wenn die ersten Köpfe an die Bohlen sinken, beginnt dann das Handtuch zu kreisen, und jeder bekommt sein Teil. Die Haut löst sich ab, alle stimmen in Lobgesang ein, man versichert sich dass es immer noch angenehm kühl ist, und man eigentlich gern gleich nochmal beginnen würde. Doch der Schöpfer platscht zufrieden in den Bottich, das Signal , “Leute, für diesmal wars wohl genug, Warmduscher wie ihr gehen jetzt besser raus.” führt sofort zu massivem Gedränge an der Tür. Mit steigender Entfernung vom Schauplatz verklärt sich das Geschehen mit legendären Details und nach dem Fitness Treff in der nächsten Woche finden sich alle wieder auf ihren Handtüchern und der Schrank sitzt so geschickt bei der Ausgangstür dass ein Entkommen unmöglich ist.

In der gleichen Weise schenkt uns Tom jedes Jahr neue Feinheiten ein, laut tönt das Gejammer auf den Bergesgipfeln doch im Jahr darauf stehen wieder alle am Start und gieren darauf sich gegenseitig mit Legenden aus der ruhmreichen Vergangenheit zu übertrumpfen.

Auch das mit dem Wind funktioniert ähnlich. Ist er mit dir, schiesst Du begeistert über die Landstraße. Den schlanken Fuß am Tresen holst Du Dir damit aber nicht. Da hilft nur der Bericht von dem Ritt über die weite Ebene als sogar die Hydranten zu schwanken begannen, Du jedoch trotzdem in 15 Minuten vom Kraftwerk Freudenau bis Korneuburg aufgekreuzt bist.

RadCore nützt die Etappe zur aktiven Regeneration. Im Ziel sind alle voller Begeisterung und gierig auf das Dach der Tour morgen. Auch Mayas Beine gehorchen wieder willig auf die Weckrufe.

Alle RadCoristi ziehen denkwürdige Zielsprints durch, die Endgeschwindigkeiten zwingen das Filmteam das letzte aus den Kameras herauszuholen. In Zeitlupe werden die verschmierten Streifen dann zu klaren Beweisen herausragender Ambition, mit übermenschlicher Kraft und Körperbeherrschung auf das Rad, die Kette, das Hinterrad, die Straße und ins Auge des Betrachters gebracht. Die Bremsen funktionieren gut, damit endet der Sprint im Eissalon und nicht im Schaufenster des Trachtenmodengeschäfts.

Video 3. Etappe

Montag, 11.7.2011, auf der Peakbreak 2011.
Beginn einer Arbeitswoche. Wir sind schon den dritten Tag in Arbeit beim Tom, und er hat uns schon einiges beigebracht. Wir starten um 7 Uhr früh, weil die Etappe ist so lang und schwer, dass nicht mehr viel fehlt auf den Ötztaler Radmarathon, wer ihn kennt.

Frohgemut rollt das Feld von Arta Terme hinunter. Sogar die Spitze findet heute keinen Nerv für rassige Attacken. Es geht locker in Richtung Maurierpass, anstatt dass wie sonst üblich in der Sekunde wo das Rennen freigegeben wird, dier ersten HenkerInnen in die Pedale springen, dass sich die Kurbeln biegen. Scheinbar haben doch alle das dumpfe Gefühl, dass heute zumindest eine grobe Einteilung der Kräfte vonnöten sein wird.

Zuerst der Mauriapass, im Vergleich ohne gröbere Vorkommnisse. Maya möchte schon eine Sache erwähnen, da ihre Beine am Morgen noch etwas Zeit zum Aufwachen brauchten, obwohl sie sie mehrmals morgens “hallo wach” gerufen habe, blieben sie müde. Dies bewirkte, dass Sie schon aus dem neutralisierten Bereich rausgeflogen ist und dann ganz hinten heldinnenhaft um die Flamme Rouge gekämpft hat. Als sie auch aus der letzten Gruppe geflogen ist, begannen die inneren Diskussionen, warum hast Du Deine Kopfhörer im Hotel gelassen, schaffst Du das alleine und wenn nicht, wann lasse ich mich einsammeln… Doch dann kam da die eine Kurve und was da stand ließ ihr die Tränen in die Augen steigen. Da standen sie in der Kurve und warteten um sie ins Feld zurückzufahren. Stefan und Gerald, Relikte aus der Zeit, als Radfahren noch ein Gentleman Sport war. Die Tränen kamen nicht wegen der in den Augen brennenden Ausgasungen der Rad – Leiberln, die da in den dritten Tag gingen, sondern aus echter Rührung. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an die Helden!!! Trotzdem wär Waschen irgendwann vielleicht bald doch ratsam.

Gemeinsam ging es dann weiter und die Etappe war gerettet. Nochmal ein Lob an die Labe, die dieses Jahr auch für die letzten aussreichend Stoff bietet. Gleich wieder runter, und rein in den Tre Croci Pass. Den ganzen Tag schon bauen sich rundherum wieder so Berge auf. Das sind nicht einfach Berge, die sind ausgesucht spektakulär, so wie man sich das vorstellt mit echten Felsen, Liftstationen drauf, Kletterern, eisernen Haken, genagelten Goiserern, unrasierten Gemsen, rasierten Gamsbartträgern, und mit allem drum und dran. Bei aller Begeisterung blickt die Mannschaft etwas verängstigt zu den fernsten Gipfeln auf, es könnte ja gut sein, dass Tom sich in den nächsten Jahren eine weitere Perle der Berge ins Progamm holt? Diesmal dann vielleicht mit einer kleinen versicherten Kletterstelle drin?

In der Ferne schon die drei Zinnen, da geht es rauf. Weit oben noch links abbiegen Richtung Cortina. Danach kommen doch noch Höhenmeter!! Es geht nicht einfach da rüber! Da sind noch knackige Steigungen versteckt! Stefan hat sich die Arbeit exaktest eingeteilt, in Unkenntnis dieser Feinheiten. Plangemäß sind seine Energien vollends zu Ende, bevor die Anstiege zu Ende sind. Er erleidet also wie im Vorjahr wieder das alte Cortina-Syndrom: Als die Labe endlich da ist, sieht er dort Engel stehen, mit weissen Flügeln, die ihm Tränke und Speisen reichen, und ätherische Weisen summen. Nach einigen Minuten der Kontemplation erkennt er erst, dass es die Labenmannschaft ist, die sich in der unbarmherzigen Mittagshitze mit feuchten Handtüchern die gegrillten Schultern kühlt. Die Musik wird wohl ein Nachklang der Moto Guzzis gewesen sein, die zuletzt vorbei sind.

Mit erneuerten Kräften gelingt der Falzarego wie im Traum. Gegen Abend wird es da oben irgendwie besonders. Mit aller Kraft hinein in die Abfahrt bis es in den Furkelpass geht. Das Feld benennt ihn meist mit einem sprachentwicklungsmäßig sehr nahestehenden medizinischen Begriff, der eine entzündlich eskalierende Hautunreinheit bezeichnet. Wir bitten die lokale sehr freundliche Bevölkerung in dieser herrlichen Gegend um Nachsicht, es ist einfach ein anstrengender Pass. Wenn man dann oben am Furkelpass anlangt, kann man links abbiegen, und da geht es rauf zum Kronplatz. Es ginbt angenehmere Wege da rauf, doch Tom wählt in seiner unergründlichen Sorge um unsere innere Reife und sportliche wie menschliche Feinentwicklung genau diesen.

Der Kronplatz ist ein besonders ausgefuchstes Mittel um Radrennfahrer zu peinigen. Dort wird absichtlich nicht asphaltiert! Es sind Steilstellen drin mit bis zu 25%. (Für nichteingeweihte: Wenn man einem Radfahrer Angst machen will nennt man ihm so eine Zahl und wenn die größer ist als 16 % beginnen die meisten zu zittern. Die Rampen auf der Donauuinsel werden so 8% haben. 100% wäre so etwa die Neigung eines Ikea Ivar Stützregals, das ein penibler Feinspitz mit einem Geodreieck exakt ausgerichtet hat.)

Eine eigens eingerichtete Foschergruppe hat “im Jahr 2006 ein System entwickelt, um die Rennstrecke fahrtauglich zu machen, ohne ihr das Charakteristikum einer Schotterstrasse zu nehmen.” (Das ist jetzt ausnahmsweise kein blöder Schmäh, siehe http://www.alplanevents.it/start.php?page=2010_giro_tracciato_sterrato_16tappa&lang=DE).

Wir stellen uns das so vor: Ein Trupp von 40 weißbemantelten Brillenträgern mit Klemmbrettern in der Hand, manche steigen gerade auf Laptops um, umringt einen weinenden Rennradfahrer, der im 356sten Optimierungsversuch am Rand der Strecke zusammengebrochen ist, und fragt ihn: “Fühlt sich die Mischung mit 34% Sand, 56% schwerem Schotter, 4% Zement und 0,1 Promille Glassplittern und dem Rest Schmierseife unter dem Rad wirklich endgültig entsetzlich an, oder sollen wir noch weniger Zement und mehr Schotter nehmen, dass man besser wegrutschen kann? Was quält mehr – wenn das Hinterrad dauernd durchdreht, oder nur alle 30 cm? Wie wichtig sind Schlaglöcher? Wie tief sollen die sein? Soll Gatsch rein, oder spitze Steine? Könnte man noch etwas machen mit dem Steigungsverlauf in den Kurven, wir haben den Eindruck dass es am meisten quält wenn die Kurve steil beginnt, dann noch steiler wird, einige extreme mit lockerm Riesel getarnte Spurrillen querlaufen, mittendrin ein Schotterbett liegt, und die Steigung dann gegen Kurvenausfahrt noch ein wenig hochkommt. So war es von jeher und die haben ja auch nicht in der Nudelsuppe gebadet, die das gebaut haben. Aber was sagen Sie kann man da noch was machen? Und wie steht es mit der Sicht auf die Bergstation, sollen wir das Schild mit der Gipfelhöhe mit einer höheren Zahl übermalen, damit die FahrerInnen bei dem Schild zusammenbrechen, oder sollen wir zu niedrig anschreiben, damit die dann am Ende wenn der Schmerz echt ausgefeilt ist und noch immer kein Gipfel erkennbar ist so richtig leiden? Wir sind da noch nicht sicher und brauchen mehr Daten. Prof. Dr. Kropiwnitzki, wann können Sie uns eine neue Gruppe von Versuchspersonen beschaffen, die die wir hier haben sind alle schon etwas abgeschlafft?” Und wie fährt sich das OHNE Bindemittel? Auch das könnte noch eine Verbesserung für die nächsten 20 Peakbreaks sein.

Zur Erbauung der Rennfahrer hängen an der Kronplatz Strecke auch Bilder mit den Siegern der Giro Etappen, die hier raufgegangen sind. Zuletzt im Jahr 2010, als Einzelzeitfahren. Bitte zu beachten, die sind da NUR auf den Kronplatz gefahren, wir hatten da bereits 3600 Höhenmeter und 170 km in den Beinen. Alberto Contador verwendet auf der Strecke eine Übersetzung von 34 / 30. Solche Wagenräder sieht man sonst fast nie auf Profirädern. Am Zoncolan vielleicht noch. Übersetzung meint hier übrigens nicht das Übertragen von Texten aus der komischen Rennrad – Materialsprache ins Deutsche (zB: Ein “Lightweight Laufrad” ist kein niederschwelliges Therapieübungsgerät für rachitische Hamster sondern ein hochtechnologisch handgefertigtes Rad aus Kohlefaser und Metall im echten Sinn eines Rades. Die noch hochpreisigeren Varianten erkennt man an den braunen Lederspeichen, und wenn sich wer wirklich eines kauft, dann könnte ich mir 2-3 komplette Räder dafür gönnen) sondern eine Maßzahl für die Kernigkeit des Radfahrers. Je größer die erste Zahl und je kleiner die zweite desto weniger Respekt hat der/die Fahrerin vor steilen Bergen und desto mehr Vertrauen in die eigene archaische Rohkraft. Mointainbiker und andere Warmduscher erleichtern sich den Schmerz in Hanglagen durch niedrige Übersetzungen (34/32). “Heldenkurbler” fahren da ganz andere Kräfte (39/21). Es gibt da auch eine technische Erklärung mit “Anzahl von Zähnen am Vorderen Zahnrad dividiert durch Anzahl der Zähne am hinteren Zahnrad mal Umfang des Laufrades ergibt die zurückgelegte Strecke pro Pedalumdrehung oer sonst so ein ähnlicher Kauderwelsch) doch die versteht erstens keiner, und zweitens zählt in Wahrheit eh nur der testosteronschwangere Vergleich der “Übersetzung” beim Bier am Wirtshaustisch. Wir nehmen mit, dass nicht immer die rein technisch wissenschaftliche Betrachtung gewinnt.

Als die beiden letzten RadCoristi nach 12h35 es endlich auch aus eigener Kraft bis ganz hinauf geschafft haben, bricht Applaus los, auch nach langen Stunden des Wartens sind noch alle da. Zwecks der Gerechtigkeit gegenüber Maya’s Körper, ihr tat alles weh bis auf die Füße, ist sie das letzte Schotterstück, das nach Ansicht einiger TeilnehmerInnen nicht fahrbar war, auf Socken hinauf gelaufen. Als sie dann oben ankam tat dann endlich wirklich alles weh! Trotzdem wurde ganz oben noch ein echter Sprint um den letzten und vorletzen Platz vor großer Kulisse geboten. Reini, der Führende, würdigt uns auch mit seiner Begrüßung, Danke!! In dem Moment konnten wir das zwar nicht mehr ganz klar sehen. Im Nachhinein hier danke für diese Geste der Anerkennung der Mitfahrer, auch wenn sie ganz ganz weit hinten im Feld werken. Nicht ganz ohne Stolz können wir für die Chronik vermerken: Alle acht Radcoristi angekommen. Nach (gemessenen) 4600hm, 185km, 35 Grad Luftttemperatur und gefühlten 19 Stunden am Rad. Wie in der morgendlichen Taktikbesprechung festgelegt kontrolliert Radcore das Peloton von hinten durch eine gleichmäßige Verteilung in den Ergebnislisten bis zur Mitte des Feldes. In der ersten Hälfte plazieren wir uns nicht, so behalten wir den Blick nach vorn.

Video 2. Etappe

Sorry für den 2- Tages Delay, kein Internetz in Alta Terme. Sorry auch für den fehlenden Bericht gestern, kommt noch. Die Etappe war nur dermassen extrem, dass danach nur mehr Zeit für die ganz elementaren Dinge war. Ein RadCore Blog ist hoch komplex, und kann in dem Zustand nicht gelingen. Vorweg der Status 12.7.2011, post-etappig: Alle sind wohlauf, wir haben auf der Strecke wieder echte Perlen erlebt. Dazu später.

Dies also zur Etappe vom 10.7.2011, Villach bis Zoncolan, Alta Terme.
An dieser Stelle gleich zuerst: Alle auf dem Event, die wir kennen, wollen ihre tiefste Dankbarkeit ausdrücken für die Laben-Mannschaft, die heute selbst den Leuten die die Labe nicht mehr klar sehen konnten noch maximale Leistungen ermöglicht hat. Eins A. Nein, eigentlich Triple A. Vom ganzen Teilnehmerfeld.

Es gibt Orte auf dieser Welt, da stehen Berge. Berge. Der Berg steht da herum, und es ist ihm eigentlich sehr egal ob jetzt da wer rauffährt oder nicht. Die Frage ist jetzt ob es uns auch egal ist? Warum ist uns das eigentlich nicht egal? In der Literatur findet man dazu das letztgültige Wort: “Weil sie da sind.”

Berge. So wie in “Gibt mir Berge”. Die PeakBreak TeilnehmerInnenschar fleht zu Tom: Gib uns Berge. Und Tom ist da sehr freigiebig. Er gibt. Wir erinnern Ihn an dieser Stelle an seine Ankündigung, die ganze Strecke mit dem eigenen Hintern im Sattel abzufahren. Dazu hat es wieder nicht gereicht. Irgendwann drehen wir den Spieß um, schnallen ihn ans Rad, setzen uns in ein klimatisiertes Auto, mit eingebauter Bar, richten eine Kamera auf Ihn, beschaffen ein unbestechliches Richtmikrofon, und zeichnen jeden Seufzer auf. Da schneiden wir dann die ärgsten Unwürdigkeiten weg, man ist ja nicht so. Es wird noch genug übrigbleiben, das uns an langen Winterabenden warm hält. Zum Drüberstreuen bauen wir dann noch eine Labe auf, und da interviewen wir ihn dann. An der Verköstigung soll es ihm nicht mangeln. Wir sagen ihm auch, dass wir die Straße sperren, bis er wirklich oben ist. Leider wird dann genau an dem Tag der BMW SUV Dachverband Europa seine Jahresversammlung am Zoncolan abhalten, und die werden auf den letzten 4 Kilometern zur Bergankunft ihr Zeitfahren abhalten, und jeder darf so oft fahren wie er will. Auch die Damen.

Was uns heute auch noch klar geworden ist, km haben wir bisher immer als eine Abstandsmessung verstanden. Falsch! In Wahrheit sind das “karnische Massivmöbel” Siehe die Tischlerei in Kötschach-Mauthen. So kommen uns die km hier auch vor, richtig schwer, so das Gefühl wenn Du Tante Erna mit dem ganzen Wohnzimmer, der Küche und den drei Schlafzimmern umsiedeln musst, und nach der ersten Fuhr aus dem 4 Stock geht der Lift ein.

Für den morgigen Tag hätten wir einige Verbesserungsvorschläge, die helfen könnten das ganze zu einem “Hobby” Event zu machen: In unserer Familie gibt es ein Wagenrad aus dem 16ten Jahrhundert, das ist aus massivem Eichenholz geschnitzt, und da wo am Rad die Felge ist, hat es einen geschmiedeten Eisenring. In diesen Tagen hatte man noch keine Presslufthämmer, da konnte man damit in den waldviertler Granitbergen die Einfahrten ausstemmen. 2 Mann hoben es hoch, und ließen es auf die störenden Felsen runterfallen, die daraufhin wie Zucker zerbröselten. Es hat über hunderte Jahre seinen Dienst wacker getan, nun könnte man es auf dieser Tour einem sehr wirkungsvollen Zweck zuführen: Die ganzen Leichtgwichts – Felgen im Feld sind Schwachsinn, wenn es so steil ist, dass Du permanent am Hinterrad fährst, wenn Du richtig reintrittst. Das wär im Flachen schon OK, nur wenn es schon so steil ist, dass das Vorderrad in Hüfthöhe ist, haben wir schon einige beobachtet, die einfach hintenüber gekippt sind. Andere kippen zur Seite, auch unangenehm, weil dann rutschst Du mit den komischen Kunststoffschuhen hilflos über den Asphalt, wenn Du Glück hast, knallst Du mit dem Knie in ein Eisengeländer aus den späten 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Weiters: Flutlichtrennen!! Kommt besser im Fernsehen, und ist bei weitem nicht so heiss!

Und eigentlich, die wichtigste Idee: bei den Bergankünften bitte die Richtung umdrehen!! Es gibt eh auf den ganzen Bergen hier Liftstationen oben, da kann man doch so herrlich raufgondeln, oben reicht einem ein freundlicher Staff das Rad, zeigt Dir wo die Bar ist, dort holst Du Dir je nach Wunsch (für unentwegte) ein Isogetränk oder einfach ein Bier, ist eh wurscht, musst ja nur mehr runterfahren. Das kann doch nicht so schwer sein. Morgen wäre ein Tag wo das echt gut kommen würde. Aus Sicherheitsgründen ist im steilen Schotter mit Rennräder eine Abfahrt eh nicht anzuraten, dan fährt man halt mit dem Lift wieder runter!!

Zum heutigen Tag:
Die Hitze flimmert auf der Straße und die Auffahrten kommen, die Erste war noch sehr schön, die Zweite auch, dann kam die Dritte… und dann erst als vierter der Zoncolan. Vor dem letzten entscheidenden Anstieg, die letzten drei Kilometer steht Werner, eine letzte Labe, dann kommt die Nachricht, dass genau diese letzten drei Kilometer rein numerisch dem Anstieg von gestern ähneln. Ihr erinnert Euch, Wände aus Asphalt. Sie sind wieder so steil, dass man nur im Zick Zack kam und auch das für einige nicht bis ganz oben. Der Unterschied ist nur, dass die hier schon etwas abgenutzter sind.

In den Bergen gibt es auch immer wieder Altäre, an denen man sich sebst huldigen kann, voller Demut, eingedenk wie gut man eigentlich ist. So einen gibt es auch am Zoncolan. Der ist recht gut geeignet, und wenn man davor zusammenbricht, kann man sich abstützen, da ist so eine Kante genau in der richtigen Höhe da kannst Du Deine Stirn herrlich kühlen, ein Traum.

Alle von Radcore sind noch dabei. Alle sind bereits satt angebraten und geben eine sehr zuträgliche biodynamisch zuträgliche strahlung ab, sehr stark im Infrarot. Auch jetzt, in der Nacht leuchten wir noch rötlich wie die Glühwürmchen. Zum sportlichen: Gerhard wieder überragend, kommt knapp vor der ersten Dame (Pasculli) an. Alle anderen besiegen den interessantesten Gegner: sich selbst.

Zuletzt noch eine Beobachtung in eigener Sache: Mit den Markierungen muss man echt aufpassen, das FahrerInnenfeld nimmt aus Gewohnheit auch etwas seltsame Anweisungen ernst: Als ich an einer Stützmauer vorbeifuhr, entdeckte ich über Kopfhöhe einen orangeroten Pfeil hinauf. Als ich die Mauer fast schon bis oben raufgeklimmt war, hab ich dann doch entdeckt, dass das so wohl nicht gemeint sein kann. Andererseits: Warum eigentlich nicht?

Nun gehet hin zur Ruhe, und seid gewiss: “Sorget nicht für den morgigen Tag, der morgige Tag hat den Kronplatz eingebaut, der wird schon für sich selber sorgen.”

Ob ihr jetzt schieben müsst oder nicht.
Amen.

Video Zoncolan

Samstag, 7h. Aufstehen.
Bitte beachtet auch die “offiziellen” Blogs vom Horst auf www.peakbreak.at!
Vom frühesten Morgen an Logistik, das Hotelzimmer wandelt sich in ein Pressezentrum. Zwei unermüdliche Chronisten hacken auf die Tastaturen, um den Tagesbericht feinzuschleifen, und die vielfältigen technischen Hürden zu überwinden. Dann ist noch die ganze Ausrüstung, die nicht mit auf die Etappe kommt, wieder wegzupacken also eigentlich die ganze Tasche, die damit wieder auf die gefühlten 150 kilo aufspeckt.

Endlich ist auch das geschafft, das Material ist bereit, es geht zum Frühstück am See, und zur Begrüßung der Mitstreiter, die uns die kommende Woche begleiten werden. Die meisten sind alte Bekannte, und weniger als im Vorjahr hat kaum wer trainiert. Der Vormittag ist echt nett, Seeufer, Friede. Dann bricht die PeakBreak voll aus: Start 14h.

Am Marktplatz von Millstatt ist eine liebevolle Startszene aufgebaut, total racig mit hölzern gezimmerter Startrampe! Wir fühlen uns total daheim, auf dieser Startrampe, auf diesen Brettern die die Welt bedeuten, hier an dem wunderbaren See, inmitten von lächelnden Gesichtern, da steht ein freundlicher Herr der die Pedalplatten in den Fußraster klickt, während ein zweiter umsichtig verhindert, dass wir hilflos zur Seite kippen und uns die Birne an den Metallgittern aufschlagen (wie weilan Kohl Bernie bei der Tour 2009), Brettern, auf diesen Brettern, stammend aus den heimischen Bergen, … .

Berge. Berg. Da war doch noch was. Ah, jetzt seh ich es, wo sie mich von der Rampe runter ins Leben gestoßen haben, und ich auf einmal ganz alleine dahinrolle. Es rollt ganz gut, ungefähr 18 meter. Dann steigt man mal so versuchsweise in die Pedale und schaut was geht. Es geht eh auch noch ganz gut, bis zur ersten Kurve. Da kommt dann auf einmal der Asphalt in den Blick und ich denk mir, bauen die da Mauern aus Asphalt? Komisch. An und für sich ein freundliches Land, aber beim Straßenbau haben offenbar Leute gewerkt, die keine Benzinkrise kennen und für die ein PS genau nix ist, von echten PS redet man erst ab dreistelligen Werten.

Am Rad fragt sich ein Teil des Gehirns ob er wirklich noch mit dem Restkörper verbunden ist, oder ob er gerade vom Stammhirn vereiert wird, oder sind da wirklich Tatsachen unterwegs. Diese Diskussion halten Stefan einige Zeit beschäftigt, bis es dann doch klar wird, als er in der näheren Ferne einen PeakBreaker vor sich in der flirrenden Hitze verschwimmen sieht und sich denkt, na den hol ich gleich ein der ist ja kaum 100m vor mir. Der Schieber verschwindet dann um eine Kurve, und als Stefan die erklimmt, ist von dem nix mehr zu sehen. Gefühlte Stunden später dann doch noch eingeholt. Da sehen wir dann auch Wolfgang, offenbar über dam Rad zusammengebrochen, mitten auf der Straße, leicht verzerrte Gesichtzüge. Wir fahren ab sofort miteinander. Manchmal. Auf die Lammersdorferalm soll es eine Straße geben, und weil wir uns in diese Richtung bewegen, kann das eigentlich nur hier sein, aber ernstnehmen kann man das nicht. Es ist der allgemeinen Empfindung nach so steil und so zach wie sonst kaum was. Die Pulswerte der Truppe sind schlicht astronomisch. Von der Hitze wollen wir hier nicht reden, es rinnt echt, gut dass in den Schweissfluten die Tränen nicht auffallen.

Im Ziel dann beginnt Wolfgang die geisteswissenschaftlichen Grundlagen des Fluchens auszuarbeiten, (die Inspiration dazu war heute reichlich) und auf welchen Kommunikationskanälen Unmutsäußerungen an die Umgebung gelangen können.
Romed hadert mit seinem Schicksal: Der Prolog ist total sinnlos! Er hat natürlich recht. Oben Reindling, Mit viel Rosinen. Alle oben. Wie ? Herausragende Performances von Gerhard (erwartet) und Gerald (eher unerwartet).

Morgen: Zoncolan – Stellen mit 24%. Bergankunft. Wieder erübrigt sich jeden Renntaktik was uns nicht davon abhält diese in allen Details auszuarbeiten. Das 4er-Team ist doch nicht konkurrenzlos. Zwei weitere Teams sind am Start. Was mag das nun beudeuten? Wir werden es auf die gesellschaftliche Methode versuchen, “jetzt hetzts Euch doch nicht so, schauts fahren wir doch zusammen …
Nur: Oberschenkel haben selten ein Ohr für sowas.

Video Prolog

Freitag, 15h30. RadCore Treffpunkt, und alle sind irgendwo. Dann sind wieder anderen da, und die einen weg. Letzte Geistesblitze zucken über staubige Materialteile, die in dunklen Ecken herumdämmern und nun wieder die Stunde der Aufmerksamkeit erleben. Wie kommt es dass die Tasche wieder so schwer ist? Dunkel beschichtetes Eisen, blank poliertes Aluminium, fein gefasertes Carbon, sanft sickernde Gele, wärmende Tinkturen, kühlende Balsame in bunten Fläschchen und auf sanft schimmernden frisch enthaarten Schenkeln,feine Zwirne, chinesische Kunststoffe, heimische Naturheilmittel, nährende Tränke, wundertätige Spezialwachse, knackig-gewienerte Ketten, Schläuche in exotischen und traditionellen Ausführungen, alles will ausgewählt, beschafft, besprochen, verworfen, eingepackt, vergessen, umgepackt und dann zum RadCore Treffpunkt geschleppt werden. Nach durchwachten Nächten in denen die Taktik auf den kommenden Etappen vor den geschlossenen Lidern vorbeigleitet.
Das alles noch mitten in den Wirbeln des Alltags. Das Unternehmen erinnert an die Apollo Mission, riesige Teams vollbringen in tiefen Kellern ungeahnte Wunder, Dinge tauchen auf die keiner braucht, und andere verschwinden obwohl dutzende Aufpasser genau rundherum genau aufgepasst haben. Letzte Telefonate ereilen uns noch als die Autotür schon zufällt, Leute die schon Stunden neben dem Supermarkt auf die anderen gewartet haben, kommen genau in dem Moment wo der Autoschlüssel endlich eintrifft plötzlich drauf, dass sie noch eine Wurstsemmel kaufen wollten, in der entstehenden Pause geht ein barmherziger Samariter dann wieder nach Hause um für einen bedürftigen Frierenden Überschuhe zu holen.
RadCore mitten in voller Aktion.

Endlich: Alle auf Achse. Die ersten Routendiskussionen beginnen noch auf dem Parkplatz. Wir umfahren den Stau! Dafür erreichen wir den anderen, der umso intensiver wirkt. Rasch zerfällt das Team in isoliert laufende Grupettos, die auf seltsamen Wegen dem Ziel (nein eigentlich dem Start) zufahren. Während man den anderen den Weg am Telefon weist, verpasst man selbst die richtige Ausfahrt und irrt durch Villach. Irgendwie gerät der Radsport punktuell aus dem Focus. Doch dann: Das Race Office! Tom baut das Blinklicht aufs Autodach! Unglaubliche Aktivität geschäftiger Organisatoren! Stapel von geheimnisvollsten Kisten, blinkendsten Geräten, und weiteren faszinierenden Teilen. RadCore versemmelt dagegen das geplante gemeinsame Abendessen, weil die eine Küche dichtmacht lang bevor die anderen einreiten, und das andere Auto dagegen Kühler undicht macht bei der ersten Besichtigung des Katschbergs.

Wie immer gleitet jeder noch so quietschende Teil dann an seinen Platz, alle kriegen was zum Essen, ein Bett zum Schlafen und Stoff zum Träumen. Die Taktikbesprechung für den Prolog morgen hätten eh alle wieder verbummelt, und die feinziselierten Attackenchoreographien bleiben eh Theorie in der monolithischen Ignoranz der Rampe.
Es ist losgegangen. Wir sind vollständig eingetroffen. Wo sind die Räder? Moment. Hast nicht Du? Na wurscht. Er wird doch hoffentlich dran gedacht haben, oder? Ist sein Auto überhaupt groß genug? Weiss er dass der Prolog morgen schon ist, oder kommt er erst morgen am Abend? Ich dachte Du hattest Deines gestern abgeliefert, oder? …
Gute Nacht.

Am 23.Mai 1911 startet im piemontesischen Mondoví die 5. Etappe des Giro d’Italia. Sie endet nach über 300 Kilometern im Arbeiterviertel „Pozzo Strada“ in Turin. Dazwischen liegt Sestriere, heute weltbekannter Wintersportort, vor 100 Jahren unwirtlicher Alpenübergang, an dem ein Straßenwärterhäuschen („cantoniera“) stand. Es ist die erste Etappe des Giro überhaupt, die auf eine Seehöhe von über 2.000 Metern führt.

Am 23. Mai 2011 gedenkt das Radkollektiv Radcore dieses herausragenden Ereignisses. Rund 20 Frauen und Männer bewältigen exakt dieselbe Strecke von Mondoví über Sestriere nach Turin.

Alle Informationen über das Vorhaben sowie dessen Verlauf (Live) gibt es auf sestriere1911.radcore.at.