Samstag 16.7.2011, 7 Etappe PeakBreak St.Michael i. Lungau bis Millstatt
Was das Radfahren betrifft, verordnet sich RadCore Genussradeln am letzten Tag. Damit wird aus der reichhaltigen RadCore Palette eine geeignete Taktik für die Schlussetappe ausgewählt. Eigentlich wäre diese Variante ja für die Einfahrt nach Paris gedacht, nur fahren wir da halt noch nicht hin. Einige Fragen sind je nach Situation mit Gefühl und Takt zu beantworten, etwa: Wann nimmt man auf Schlussetappen den Champagner? In jedem Fall ist vorgeschrieben dass die Labenaufenthalte MINDESTENS 30 Minuten dauern müssen, es werden Massagen schon unterwegs dringend angeraten.
Die Realität sieht wie so oft anders aus. Gleich in der Früh geht es hinein in den K(G)atschberg, der ist feucht wie immer, auch ohne Regen. Der Kampf dort geht nicht nur gegen die Steigung sondern auch gegen das Frühstück, das teils noch im Hals steckt, teils sich wieder dorthin auf den Weg gemacht hat. Eigentlich nicht abwegig, wenn der ganze Mensch so auf die Berge raufzischt, da will doch auch mal ein Frühstück die Welt mit eigenen Augen sehen.
Wie eine Prozession demütiger Pilger, in tiefer Andacht und Kontemplation bewegt sich der Troß auf den Katschberg. Die Gedanken kreisen um den nächsten Tritt. Werde ich ihn noch runterbringen, oder kipp ich einfach zur Seite weg, weil das Pedal einfach zuviel Widerstand aufbringt? Und ähnlich wie eine Woche Schweigen in intensiven Exerzitien wirkt auch dieser Pass. Läuternd und reinigend. Alle negativen Gedanken sind wie weggeblasen. Allerdings auch die konstruktiven. Das Hirn ist wie neugeboren. Was steht hier? Bergrestaurant? Interessant. Berg. Was war das nochmal? Restaurant? Da war doch was, das hatte mit dem Loch zu tun, durch das wir keuchen. Luft. Genau. Es ist nicht nur die Luft. Wir haben da auch Gel reingetan. Und so ein anderes Material doch auch irgendwann? Essen. Ah ja. Restaurants, essen. Berg. Restaurants auch ohne Berg, … . Und so weiter. Man erschafft die Welt von ganz unten neu.
Auf der anderen Seite geht es natürlich wieder hinunter. Das funktioniert erstaunlich gut. Man kann diese Hebel, Bremsen, bedienen, dann donnert man nicht in die entgegenkommenden Harleys. Wunderbare Welt der Schwerkraft. Nach einigen flachen Kilometern beginnt der Anstieg auf die Nockberge. Angekündigt ist ein Nationalpark. Wir sickern über die Außenzone ein. Und wirklich, eine überaus versöhnliche Strecke. Höhepunkt ist unter anderem ein Schwein, das sich dort gern unter dem Pferdekoppelzaun durchzwängt und seinem einem Bruder Pferd dort auf einer herrlich grünen Wiese Gesellschaft leistet. In den höheren Lagen dann kommt man in eine Almregion, und in die Kernzone mit Orchideen und Murmeltieren. Hier würde man wirklich gern bleiben.
Am ersten Nockberg dann eine übersinnliche Wahnehmung: Da sind auf einmal doppelt so viele RadCoristi wie es eigentlich auf der PeakBreak gibt?? Was geschieht mit mir? Ist es jetzt soweit? Na mal abwarten und ignorieren, vielleicht seh ich doppelt. Doch die Gestalten beharren auf ihrer Existenz und grüßen und klopfen einen so lange auf die Schulter bis man irgendwie doch akzeptiert dass es echte Menschen mit eigener Gedankenwelt und Ideen sind. Es stellt sich heraus: Hugo, Robert und Alex sind aus dem Tal aufgestiegen um uns die letzten Kilometer ins Ziel zu begleiten. Total nett! Die sind viel frischer als wir. Trotzdem fahren sie uns höflich nicht total um die Ohren.
Also alle zusammen auf den letzten Berg! Und fröhlich forsch geht der auch. Oben dann, die letzte Labe! Ein Traum wird wahr, es gibt Wurschtsemmeln! Manche sagen “belegte Brötchen”, klare Fehleinschätzung. Die gehen sehr gut weg. Alle RadCoristi bis auf Christian, der heldenhaft noch ein echtes Rennen fährt, sind beisammen und machen sich auf die Abfahrt. Romed hat noch Volker gesehen, und es besteht die entfernte Möglichkleit, den gemeinsam einzuholen. Es sind auch viele andere da, im Lauf der Abfahrt formiert sich ein Riesentroß. Großer Spaß, chaotische Versuche Windschatten zu fahren.
Beim einzigen Kreisverkehr der nicht perfekt markiert ist, drehen wir eine Ehrenrunde, doch Ortskundige lassen keinen Zweifel offen: RECHTS!! Volker muss einige Minuten vorher hier gewesen sein, er findet auch keine Markierung, nimmt an dass Tom wieder Feinheiten ausgetüftelt hat, und biegt offenbar nach links. Eine 40km Irrfahrt beginnt, und er trifft erst kurz nachdem der Zielbogen abgebaut ist ein.
Die Gruppe, gemeinsam glücklicher am rechten Weg, zieht übder den letzten Hügel, an den Millstättersee. Jeder zieht mal an, und am See dann formiert sich das Feld hinter dem RadCore 4-er Team. Wolfgang und Romed ziehen den Troß in strammem Tempo die letzten Kilometer, dann kommen auch die anderen nach vorn und geben bei der Zieleinfahrt ein herrliches Bild ab. Allgemeine Erleichterung folgt. Alle gesund im Ziel.
Lange vorher hat Christian schon einen großen Zieleinlauf geliefert. Er versucht an den Pascullis dranzubleiben, geht nicht. Also dann die nachfolgende Gruppe. Die ist eigentlich zu langsam für unseren aufstrebenden Jungstar. Was soll man tun. Allein gegen eine Gruppe aufzuholen geht auch nicht, als nimmt er eben diese. Wir erkennen, die Solofahrt von gestern hat auch bei ihm wieder wichtige Erfahrungen gebracht. Schließlich kommt seine Gruppe nach Seeboden ans Ziel. Den Schlusssprint um den 29 Tagesrang gewinnt Christan. Wir werden noch Videostudien machen, auch das ein Schokokeks für kalte Winterabende.
Auch im Ziel sorgen die drei zusätzlichen Radcoristi für Verwirrung: Sie fahren natürlich neben dem Ziel vorbei. Der Ansager ist unschlüssig. Wollen die nicht mehr? Warum die jetzt querulieren? Ja, RadCore geht nicht den einfachen Weg. Im Nachhinein erkennen wir das Potential dieser Idee: Gefälschte Fahrer einschleusen, eventuell die Disziplin des Synchronradfahrens neu beleben. Keinesfalls darf man die Aufmerksamkeit des Feldes unterschätzen, als die 3 “Neulinge” ihre Räder aus dem Auto holen werden sie natürlich beobachtet, und bei der Massage kommen dann Fragen wie: “Seid Ihr den letzten Berg denn mit dem Auto gefahren??”
Im Ziel dann Siegerehrung: RadCore steht mit fast allen TeilnehmerInnen am Podest. Horst und Christan gehen als dritte der “unter 80″ 2-er Teamwertung auf die Bühne. Horst denkt zum Glück noch an die offizielle Jacke, streift die von Stefan über weil er keine eigene hat. Christian macht ihn auf seinen Toilettefehler aufmerksam, er zippt die Jacke zu, und die Medaillie ist weg! RadCore winkt heftig, ein Hinweis von Christian bringt dann wieder Ordnung ins Bild. Maya wird glorreiche zweite der Damenwertung. Sie wehrt sich gegen die Nennung des Rückstandes, obwohl es ja eh nur 11,5 Stunden sind! Fast 50 Stunden am Rad werden besonders gelobt. Als das Vierer Team die Bühne am herrlichen Millstätterseeufer erklimmt, regnet es schon leicht.
Wir geben an dieser Stelle nicht bekannt, wieviele KonkurrentInnen in den jeweiligen Kategorien im Rennen waren! Dazu möge die Geschichte schweigen. Aus diesem Grund sei auch Gerhard hier erwähnt, der schnellste RadCorist, der aber als einziger keinen dekorierten Platz macht. RadCore wird seiner besonderen Leistung noch entsprechende Würdigung verleihen.
Dann ist noch die lange erwartete Pasculli – Fahrradverlosung, ein maßgefertigtes Carbonrad steht als Preis an. Marvin zieht, es geht knapp an der 77 von Gerald vorbei auf die 88. Der Regen verdichtet sich, und es endet eher hastig die Abschlussfeier der PeakBreak 2011. Manche der TeilnehmerInnen atmen dankbar auf, vor allem die denen der Fahrt im Zentrum steht, und die an Rängen eher wenig interessiert sind. In jedem Fall ist es schon lustig die Mit – HeldInnen geehrt zu sehen.
Schließlich folgen noch der große Umtrunk dann drinnen im Restaurant. Gerald ist schon wieder hungrig und nimmt sich noch ein drittes Abendessen. Unvermeidbar beginnt im gegenseitigen Schulterklopfen schon die Entfernung von den Erlebnissen, und was vor kurzem noch eine gnadenlose Schinderei war, verklärt sich zu einem herrlichen Bergerlebnis ohne große Schwierigkeiten. Volker bietet fürs nächste Jahr noch eine Revanche am Kitzbühler Horn an. Es ist abzusehen, dass es das eine oder andere Wiedersehen am Wiener Radmarathon im September geben wird. Von den PeakBreakern haben sich viele interessiert gezeigt. Auch von ferne werden einige anreisen.
Über diesen Reminiszenzen und Plänen schreitet der Abend voran. Als das offizielle Feiern endet, stößt RadCore noch zur PeakBreak Mannschaftsfeier, auch hier allgemeines Schulterklopfen und Umtrunke auf Erfolge und Erlebnisse. Mit aller Kraft geht das weiter bis in die Morgenstunden. Feiern als ob es kein Morgen gäbe.
Also, das wäre es von der PeakBreak 2011. Danke an alle die dazu beigetragen haben, als Veranstalter und auch vor allem all den anderen MitstreiterInnen, die sich mit uns über die Berge gearbeitet haben.
Es waren fast doppelt soviel Höhenmeter wie die Österreich Radrundfahrt, und die Kilometer sind auch vergleichbar. Wer das schafft, hat schon einiges erlebt. An alle: Weiter so! Also, auf zu neuen Ufern, und in weitere Unternehmen. Bis dann!






